Pokalsieg ´89:"Es war ´ne geile Zeit"

Pokalsieg '89: „Es war ’ne geile Zeit“

MichaelLusch war nie ein Kind des Rampenlichts und erfüllte eher die Rolle derfleißigen Biene, solange ihn "sein BVB" brauchte. Nach 11 Jahrenwechselte er und spielte noch in Lautern, Krefeld und Essen, bevor erzurückkehrte und jetzt für Schwarzgelb die Stiefel in derTraditionsmannschaft schnürt. Wir besuchten den Pokalsieger von 1989 amBorsigplatz...

Michael, Du warst von 1982 bis 1993 bei Borussia Dortmund in Diensten und hast 203 Bundesligaspiele für unseren Verein gemacht. Dann gingst Du still und heimlich. Wie war das damals eigentlich, als Du von Ottmar Hitzfeld aussortiert worden bist?

Michael Lusch: Im Grunde war das so, dass sich dieser Transfer von einem Tag auf den anderen vollzog. Wir waren im Trainingslager damals, das weiß ich noch und sie hatten grad den Kalle Riedle verpflichtet. Ich weiß noch, wir standen damals auf dem Trainingsplatz und Kalle Riedle wurde morgens mit einem Hubschraubereingeflogen. Dann habe ich nach dem Training für ihn noch ein paar Flanken geschlagen. Und mittags hatte ich dann auf einmal einen Anrufvon Friedel Rausch, der sagte, er suche unbedingt noch einen Spielerfür die rechte Seite. Er fragte mich, ob ich nicht Interesse hätte, ich müsste mich aber sofort entscheiden. Und dann bin ich abends noch nach Lautern gefahren mit meinem Berater. Und dann ging das eigentlich relativ schnell und ich war weg.

Und Du hast nach 11 Jahren BVB den Schnitt so einfach von heute auf morgen machen können?

Tja, es wurde damals sehr schwierig für mich. Es wurden da gerade die ganzen „Italiener“ zurückgeholt, wie Sammer, Reuter, dann kam eben auch noch Kalle Riedle. Und ich wusste ja ganz genau, dass Stefan Reuter für rechts geholt wurde und dass der als Weltmeister von 1990 erst einmal gesetzt war und spielen würde. Aber was will man als Fußballer? Es tat natürlich total weh, aber das ist nun mal im Profibereich so. Tja, und das Angebot war zudem auch recht gut.

Nun warst Du ja mehr oder weniger immer Stammspieler draußen auf der rechten Außenbahn. Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Bundesligaeinsatz am 18. September 1982 im Revierderby gegen den FC Schalke 04 erinnern? 

Das war ein Freundschaftsspiel, oder?

Nein, ich meine den 2:0-Sieg im Bundesligaspiel am 6. Spieltag. Du kamst für Marcel Raducanu in der 80. Minute rein... 

Ich weiß nur, das erste Spiel überhaupt war damals ein Vorbereitungsspiel unter Kalli Feldkamp. Ich wurde damals eingewechselt, habe auf der linken Seite offensiv gespielt. Ich warvöllig nervös, das weiß ich noch. Wir haben vorne damals mit Burgsmüller, Abramczik und den ganzen Experten gespielt. Und dann lief das Spiel dermaßen gut für mich. Ich hatte mich da so in einen kleinen Rausch reingespielt. War dann ein total geiler Tag aus meiner Sicht.

Weißt Du noch, wie´s ausgegangen ist?

Ich glaube unentschieden.

Am 20. Oktober 1984 sehe ich Dich heute noch auf der Ersatzbank sitzen, als eine wütende Fanmeute nach nur 9. Spieltagen am Zaunrappelte und „Vorstand, Trainer, Tippenhauer raus“ skandierte nach dem 0:2 gegen den KSC. Was ging Dir, als damals 20-jährigem Spieler dadurch den Kopf?

Für einen jungen Spieler ist es natürlich bitter, sofort in so eine Situation hinein zu geraten. Denn der Fußball, den wir damals gespielt haben, war ja auch nicht so doll. Aber es war schon extrem, gerade alsjunger Spieler. Ich war damals aus der Jugend gekommen, als ein Dortmunder Eigengewächs, hatte damals immer so eine Einstellung und habe versucht, immer alles zu geben. Ich wollte natürlich versuchen, Fuß zu fassen in der Truppe, Mein Ziel war es immer, Stammspieler zusein. Das war dann natürlich eine schwierige Situation, aber ich meine,die Fans haben ja auch nicht zu Unrecht so reagiert.

Du hast ja auf der Bank links außen gesessen und direkt daneben ging es dann ab...

Ja, wir haben auch noch ein paar Bierbecher abbekommen. War wirklich keine angenehme Geschichte.

Welche Beziehung hast Du, als Junge von Germania Hamm, aus dem ja schon der frühere Kapitän Klaus Ackermann 1974 den Weg nach Dortmund fand, eigentlich zum BVB?

Eigentlich war die Beziehung immer da. Ich lebe ja auch seit über zwanzig Jahren in Dortmund. Die Ausnahme waren die zwei Jahre in Kaiserslautern. Die Beziehung ist eigentlich nie abgebrochen. Günther Kutowski ist auch ein sehr guter Freund von mir. Wir haben jetzt auch über die Traditionsmannschaft immer wieder den Bezug, wo wir die ehemaligen Spieler immer wieder treffen. Ab und zu sehen wir uns auch im Stadion zusammen Spiele an. Der Verein ist immer noch eine Herzensangelegenheit, absolut.

Die vergangene Saison hat uns allen viel abverlangt. 7,5 Mio. sind mehr oder weniger gezielt investiert worden. Wie schätzt Du die Perspektive für die am 12. August beginnende Saison durch die Neuzugänge beim BVB ein?

Ich sehe es sehr optimistisch. Man hat sich auf entscheidenden Positionen gut verstärkt. Man muss mal abwarten, wie die Spieler einschlagen. Aber ich denke, von der Qualität ist der Kader auf jedenFall besser geworden. Ich denke, Borussia wird in der kommenden Saison auf jeden Fall besser abschneiden als zuletzt.

Im DFB-Pokal muss Borussia vor dem Bundesligaauftakt gegen Duisburg am 4. August noch beim 1.FC Magdeburg bestehen...

Ja, undankbare Aufgabe. Ich kenne so etwas von früher. Ich kann mich noch erinnern, wir hatten damals gegen Spielvereinigung Fürth mal daserste Pokalspiel. Wir haben nach einer langen Vorbereitung dort 1:3verloren in Fürth (04.08.1990/Die Red) Das war eine sehr bittere Erfahrung damals. Es ist ja von vorn herein so, man weiß, wenn man gegen so eine Mannschaft kein frühes Tor macht, wachsen diese Jungsüber sich hinaus. Man muss also sehr cool und abgeklärt spielen, um dort zu bestehen. Aber ich denke schon, Dortmund wird dort klarer Favorit sein. Und wenn das Spiel normal läuft, wird es auch keine Probleme geben, dort weiterzukommen.

Du warst beim letzten Triumph in diesem Wettbewerb 1989 nicht nur dabei, sondern hast Dir Deinen Platz in der Geschichtsbüchern durch Deinen herrlichen Treffer zum 4:1 selbst geschaffen. Denkst Du da manchmal noch an dieses Endspiel zurück?

Ja, die Erinnerungen sind natürlich immer da. Man wird auch heutzutage immer wieder darauf angesprochen. Viele Fans und auch Freunde sagen,Mensch, was war das damals eine geile Zeit, als der Pokalsieg gelang. Man wird immer wieder daran erinnert. Allein durch die Gespräche und die Fans, die es einem sagen. Ich habe ja auch noch unser Poster von1989 hier hängen...

Leider sind Dir weitere Titel verwehrt geblieben. Am 16.Mai 1992, fehlten in Duisburg ganze vier Minuten zum Titel, exakt ein Jahr später wart Ihr zwei Mal chancenlos in den Uefa-Pokal-Finals gegen Juve...

Ja gut, es sollte nicht sein. Ich bin Pokalsieger und zweimal Vizemeister geworden in meiner Laufbahn. Ok, einen Titel habe ich zumindest geholt. Aber es wäre natürlich noch die Krönung gewesen, Deutscher Meister zu werden. Zumal es damals eine ganz enge Kiste war dort in Duisburg. Ich kann mich auch noch sehr genau an das Spiel erinnern, wo wir 1:0 geführt haben und eine Riesenstimmung imWedaustadion herrschte. Und auf einmal kurz vor Schluss, als wenn einer eine Bombe ins Stadion geworfen hätte, kam Totenstille im Stadion auf. Da wussten wir schon, was los war. Und Stuttgart gewann noch in Leverkusen, ich glaube Buchwald hatte damals dann ja das entscheidende Tor geköpft.

Geblieben sind Erinnerungen und viele Kollegen. Mit einigen von ihnen spielt Du in der BVB-Traditionsmannschaft Turniere und Benefizspiele im ganzen Land, werdet umjubelt und überall gefeiert. Eine hervorragende PR-Arbeit für den BVB, oder?



Ja, das sehe ich genau so. Also, ich freue mich immer wieder, dass soviele mit Begeisterung dabei sind und sich bereit erklären, dort zuspielen, obwohl die Knochen es ja manchmal gar nicht mehr hergeben. Und wir haben eine super Kameradschaft dort in der Truppe, es macht einfachriesig Spaß. Dazu kommt, dass es immer wieder schön ist, die alten Mitstreiter wieder zu treffen. Und es verbinden ja auch einige richtige Freundschaften damit.

Im August trefft Ihr gleich zwei Mal (u.a. am 3. August im Stimbergstadion in Erkenschwick/Die Red) zum ewig jungen Derby gegenden blauen Erzfeind, wo Ihr zuletzt häufig siegreich vom Platz gegangen seid und Euch in Fuerteventura nur durch zwei fatale Schiri-Entscheidungen beugen musstet. Wie stehen die Chancen diesmal?

Ja, ich denke, wir gewinnen. Alles andere wollen wir verdrängen. Wir haben ja noch eine kleine Revanche zu nehmen gegen unsere Freunde aus Gelsenkirchen. Ich denke mal, wenn wir da personell einigermaßen komplett sind, werden wir auch gewinnen.

Apropos PR. Heute bist du Geschäftsführer des Soccer City Centers,dass nur etwa 500 Meter Luftlinie vom Borsigplatz und einen Steinwurfvon der „Weißen Wiese“, der Gründungsstätte der Borussia entfernt ist. War dies eine große Umstellung für Dich?

Man muss ja überlegen, was man macht nach dem Fußball. Diese Geschichte hatte sich relativ schnell angeboten. Ich bin weiterhin sehr verbunden mit dem Fußball. Mir macht die Sache hier riesigen Spaß. Das ist auch eigentlich eine Tätigkeit, mit der ich mich absolut anfreunden kann. Ich war ja lange genug im Trainergeschäft, aber man weiß ja auch, dass dieses Metier auch nicht gerade einfach ist. Und das jetzt hier ist so das Standbein, was ich mir weiter aufbauen will.

Was wird fußballbegeisterten BVB-Fans also bei Dir in der Körnebachstraße geboten?

Allerhand. Wir spielen hier regelmäßig Turniere aus. Wir sind ja auch sehr früh schon eine Partnerschaft mit der BVB-Fanabteilung eingegangen, die hier ja auch schon ein riesiges Turnier ausgespielt hat. Außerdem bieten wir unseren Besuchern einen sehr guten Kunstrasen an. Das ist ein Belag, der FIFA-lizenziert ist, das heißt, dass er sehr weich und gelenkschonend ist. Alle fußballbegeisterten Jungs und Mädels sind hier jederzeit herzlich willkommen, bei uns ihr Können zudemonstrieren!

Holger W. Sitter, 17.Juli 2007

Michael Lusch, hier bei einem Einsatz für die Borussia Dortmund-Prominenten-Elf. (firo)